Presseberichte
16. September 2009, Offenbach-Post
Stanzen, Steppen, Vorrichten, Kantenbrennen, Glätten
Techniken der Lederverarbeitung als Thema einer Performance / Neue Projekt des Offenbacher Atelierhauses B71 zu den „Kunstansichten“
Von Reinhold Gries
Kreativität, Sprunghaftigkeit, unkonventionelles Benehmen und sprudelnde Ideen waren das Markenzeichen der vor 150 Jahren verstorbenen Bettina Brentano, Namensgeberin der Offenbacher Bettinastraße.
Die 25 Künstlerinnen und Künstler des Atelierhauses B 71 leben das neu vor. Zu den „Kunstansichten“ schließen sich sieben von ihnen zur Schau „vorORT – AußenInnen“ zusammen. Der Ausstellungsraum im Obergeschoss wird mit Folien eingehaust, auf denen umliegende Bebauung mit Schwarzlack und Edding in pittoreskem Zeichenduktus gespiegelt ist. Im Dialog mit dem Licht der Fenster wird das Außen zum Innen, das Innen zum Außen.
Den Innenraum lassen wir frei“, betont Nina Bauernfeind. Die „Innenwelt der Außenwelt“ wird zur Bühne, wenn Ina Juretzek ihre Tanzperformance „Instanzen“ aufführt. Dabei holt sie die Vergangenheit des Atelierhauses als Stanzerei in die Gegenwart, choreografiert Abläufe des Lederhandwerks: Stanzen, Steppen, Vorrichten, Kantenbrennen und Glätten.
Bei einer Diskussion über „Kunst im politischen Raum“ geht es um Albert Speers These „Die Zukunft der Frankfurter Kreativwirtschaft liegt auch in Offenbach“. Unter Moderation der Künstlerin Christine Wagner reden Verleger Axel Dielmann und Frankfurts Wirtschaftsdezernent Markus Frank mit Offenbachs Kulturmanager Ralph Philipp Ziegler und B 71-Vorstand Marilena Faraci Stangier über Perspektiven städtischer Kulturarbeit in Offenbach und die angedachte Agentur für hiesige Ateliers.
Was im Nordend an Potenzial existiert, zeigt ein Gang durch B 71-Ateliers. HfG-Absolventin Bauernfeind erfasst Stadtlandschaft in großformatigen Zeichnungen. Natur, U-Bahn, Häuserschluchten verdichten sich zu Panoramen. Beiden Mainstädten widmen sich Farbfotografien von Jutta Hilscher. Der „Möblierung der Stadt“ durch Verkehrsschilder, Stromkästen, Bänke und Parkuhren gewinnt sie ebenso eine eigene Ästhetik ab wie Hochhäusern, Hochsitzen, Straßencafés und Geschäften. In Ölbildern befasst sich Irina Balandina mit Farbenspielen, monumentalen Stadträumen und Szenerien „um die Ecke“.
Petra Hirsch mischt klare Farben mit Sand, Sägespänen, Kaffeebohnen und Stoffen. Zwischen Landschaft und informeller Gestik bewegt sich das Werk von Alexander Fels. Übereinander gelegte Papiere mischt Barbara Drube mit Farbschichten zu überraschenden Strukturen. Der Magie der Farben sind Marilena Stangiers „Koloraturen“ verfallen. Die Psychologin und Malerin sucht eine Balance zwischen Chaos und Ordnung. Barbara Boeker fertigt Objektmontagen aus Metall, Stein, Glas und Holz an.
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September 2009, FRITZZ-Offenbach
11. Offenbacher kunstansichten
Festival der Kreativen
zu einem Stadtrundgang besonderer „Art“ lädt Offenbach mit seinen 11. kunstansichten ein. Das Festival bietet alljährlich einen guten Einblick in die Kreativenszene Stadt
(Artikelausschnitt) Podiumsdiskusion
Anlässlich der 11. Offenbacher kunstansichten lädt das Atelierhaus B71 unter dem Titel „Kunst im politischen Raum, These 12“ zu einer Podiumsdiskussion über Gegenwart und Zukunft künstlerischer Arbeit in Offenbach ein. Hintergrund ist die Denkschrift „Frankfurt für alle“ von Albert Speer u.a., deren „These 12“ lautet: Die Zukunft der Frankfurter Kreativwirtschaft liegt auch in Offenbach. Teilnehmer sind u.a. Prof. Albert Speer (angefragt) und Dr. Ralph Philipp Ziegler (Forum Kultur und Sport).
19.9., Offenbach, Atelierhaus B71
(Bettinastrasse 71), 19-20:30 Uhr
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22. September 2008, Offenbacher Post
Wo Kreativität immer freie Fahrt hat
Von Reinhold Gries
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Feb./März 2008, Zeitschrift "ATELIER"
Atelierplätze und Ausstellungen,
Tom Koesel
Atelierhaus B71 e.V., Offenbach
In den Räumen einer ehemaligen Stanzfabrik im Offenbacher Westen hat der Künstlerverein Atelierhaus B71 seit September 1998 schrittweise einen selbstverwalteten Kunststandort etabliert. Irina Balandina vom Vorstand des Vereins zu den Zielen des Projekts: „Zunächst ist es für uns wichtig, kostengünstige Arbeitsräume zur Verfügung zu stellen und optimale Möglichkeit zur Präsentation eigener Werke zu schaffen. Um die Arbeiten einem breitem Publikum präsentieren zu können, wurde nicht die gesamte zur Verfügung stehende Fläche in Ateliers umgewandelt. Im dritten Obergeschoss haben wir von Anfang an das „Prunkstück“ unseres Hauses, den großen Dachsaal mit 150 Quadratmeter, für Ausstellungen und Events genutzt. Es hat sich gezeigt, dass in dieser großzügigen, lichten Umgebung der Kontakt zwischen Künstlern und Kunstinteressierten leicht zustande kommt.“ Seit 1998 werden hier ein von der Stadt Offenbach gefördertes Kulturprogramm, Einzel- und Gruppenausstellungen, Performances, Malkurse, Sommerakademien und verschiedene Events durchgeführt. „In diesem Jahr planen wir eine intensive Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern, die mit einer in Italien lebenden Künstlerin starten soll“, sagt Marilena Faraci Stangier, die ebenfalls im Vorstand tätig ist. „Auch mehrere Ausstellungen mit Künstlern im Haus und Gastkünstlern aus anderen Atelierhäusern stehen im Plan, und so wie jedes Jahr werden wir unsere Atelierräume für Kunstinteressierte bei den „Offenbacher Kunstansichten (siehe Kasten unten), dem Atelierrundgang im September öffnen“, ergänzt Irina Balandina. Zu einer festen Einrichtung sind die „Salonabende“ geworden, an denen Künstler und Kunstinteressierte regelmäßig zusammenkommen und manchmal auch Vorträge von eingeladenen Gästen auf dem Programm stehen. Derzeit haben 27 Künstler im B71 einen Atelierplatz. Es gibt offene und geschlossene Atelierbereiche sowie Werkstatt- und Lagerflächen. „Wir wollen Kunst zugänglich machen und Raum für den Austausch von Interessen, Ideen und Inspiration geben. Viele denken, dass ein Künstleratelier ein geschlossener und kurioser Raum ist, in den kein anderer Zugang hat. Wir wollen hier aber unsere Arbeit und auch unsere Arbeitssituation der Öffentlichkeit zugänglich machen. Es soll nicht nur das fertige Schaffen präsentiert werden, sondern auch die Umgebung, in der der Prozess des Schaffens stattgefunden hat“, sagt Marilena Faraci Stangier.
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Offenbach Post, Kultur, Mi. 1.9.04, josch
Vielfalt unter einem Dach
In Offenbachs Atelierhaus B 71 erhält Kunst vielerlei Gestalt
Zwischen dem 10. und 19. September wird Offenbach wieder zum Mekka der Kunst: Über 90 Galerien, Museen und Ausstellungsräume beteiligen sich an den „kunstansichten 2004". Die Vielfalt an Kreativität stellen wir hier in einer kleinen Serie vor.
Glück kann in ganz unterschiedlicher Weise erfahren werden. Für die Betreiber des Offenbacher Atelierhauses B 71, benannt nach der Adresse Bettinastraße 71, liegt Glück in bestimmten Räumen. „Kammern des Glücks" heißt die Gruppenausstellung, mit der sich die Ateliergemeinschaft bei den „kunstansichten 2004" präsentiert. Fast 30 Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Sparten und Genres arbeiten in der ehemaligen Stanzfabrik. Seit 1998 werden Kulturprogramme, Salonabende, Sommerakademien in einem lichten, 150 Quadratmeter großen Raum im dritten Stock des Hauses abgehalten. Neben der Mato-Fabrik ist dies die größte Ansammlung von Kunstschaffenden unter einem Dach in Offenbach.
Extreme Naturereignisse dienen Nadja Bauernfeind als Inspirationsquelle für Malerei und Zeichnung. Verformte Gleise etwa finden sich immer wieder als Motiv ihrer vorwiegend mit Kreide auf Papier erstellten Arbeiten. Heiko Bleuel ist freiberuflicher Florist, der aus Blättern, Blüten und auch Asten großformatige Kunstobjekte fertigt, wie sie etwa bei Messen benutzt werden.
Der Bildhauerei verpflichtet ist Barbara Boeker. Die Kunst- und Museumspädagogin arbeitet mit Steinen verschiedener Herkunft und steht mit ihren Skulpturen auch für eine sinnliche Qualität der Kunst. Eine Spur der B 71 - Künstler führt sogar in die Oper Frankfurt. Zu deren Bühnenbildnerteam gehört Christian Brenneke, Spezialist für experimentelle Möbel, Objekte und Gebrauchsgegenstände. Gründungsmitglied der Künstlerkolonie im Westend Offenbachs ist Ingrid Juretzek, Malerin, Fotografin, Video-Filmerin und Performerin, eine äußerst vielseitige Frau also, die auch als Kunstpädagogin tätig ist. Das gilt auch für Hayko Spittel, dessen „Museum für Kartoffelkunst" noch in bester Erinnerung ist. Der Maler und Zeichner hält regelmäßig Kurse an der städtischen Volkshochschule. Und schließlich wird bei den „kunstansichten 2004" auch noch Ingo Seiler beteiligt sein. Der 35-Jährige nennt sich selbstironisch „Bezeichner", die Wirkungen von Sprache auf ihren künstlerischen Gehalt untersuchend. Man darf gespannt sein, wie dieser Prozess dokumentiert wird.
Die Vernissage von „Kammern des Glücks" ist am 10. September um 19 Uhr. Die Schau ist natürlich auch während des Rundgangs zu sehen.
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20./21. April 2000 - Frankfurter Rundschau
Hinreißende Musen und Barbies mit angeklebter Behaarung
Im Offenbacher Atelierhaus B71 ist jetzt ein Raum für Ausstellungen reserviert / Start mit Seelenfutter und Performance
rha
OFFENBACH. „Du kennst mich“ – das ist der Titel einer Ausstellung von Ina Juretzek, die noch bis zum 28. April immer dienstags und freitags im dritten Stock des Atelierhauses B71 in der Bettinastraße 71 zu sehen ist. Mit Juretzeks Rauminstallation beginnt eine Ausstellungsreihe.
Die Künstler, die in den einzelnen Ateliers arbeiten, wollen ihre Werke einem breiten Publikum zugänglich machen und haben vor, jeden Monat eine neue Ausstellung zu organisieren. „Wir wollen Leute treffen und mit ihnen über das Gezeigte ins Gespräch kommen“, sagt Juretzek. Zur Vernissage hatte sie sich etwas Besonderes einfallen lassen. Für „soul food“ – Geschichten, die zu Soul-Musik erzählt werden – sorgt Murat G., den Juretzek für den Abend eingeladen hatte. Juretzek selbst trat bei der Performance „Fit für die Liebe“ in Aktion. „Ich habe mich für diese Performance von einer Schallplatte inspirieren lassen, die ich auf dem Flohmarkt erstanden habe“, erzählt die Kunstpädagogik-Studentin.
Das Cover hatte sie neugierig auf die Abbildungen im Inneren der Plattenhülle gemacht. Darin seien Frauen abgebildet, die Yoga-ähnliche Gymnastik-Übungen machen. Juretzek fand die Abbildungen „einfach schön, da sie die Aktion der Frau in der Liebe ausdrücken“ und sie beschloss, sie in ihrer Performance zu verarbeiten. Ihre Rauminstallation besteht aus mehreren Lampen und einem altarähnlichen Tisch, auf dem sich der Plattenspieler sowie die Lautsprecher befinden. In den Zwischenräumen sind die deutschen Überstetzungen der Musen-Namen zu sehen: die Feiernde, die Erfassende, die Tanzende, die Singende, die Genießende, die Himmlische, die Hinreißende und die Schönsprechende. Besonders am Herzen liegt Juretzek ein Aspekt der Installation, den sie „behaart“ genannt hat. Dazu hat sie eine Theke mit Filzbezug gebaut und auf dem Flohmarkt Barbies gekauft. Den Barbies habe sie Haare an den Beinen und unter den Achseln angeklebt. Über den Ursprung dieser Idee sagt Juretzek: „Ich habe mich früher mit der Frage auseinandergesetzt, wie mit Behaarung bei Frauen umgegangen wird und warum Frauen mit Haaren umgehen.“
Die Verbindung zwischen Haaren und Schönheit habe sie schon immer beschäftigt. Der Ausstellungsrau des Atelierhauses B71 ist künftig immer dienstags und freitags von 21 Uhr an für Besucher geöffnet.
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01.09.99 .- FR - Kulturspiegel
Rosa Plüschschweine unter unverputzten Decken
„B71“: Frankfurter Kreative arbeiten in Offenbach in einer alten Fabrik – als Verein
Von Jörg Schindler
Der Künstler als Kassenwart? Ein Rechenschaftsbericht aus Designerhänden? Malen nach Mitgliederzahlen? Phantasie e.V.? Warum eigentlich nicht? Dachten sich junge Kreative aus Frankfurt – und gründeten vor zwei Jahren einen Verein.
Die Idee, zusammengefasst: Gemeinsam sind wir stark. Lässt sich’s doch von Vereinsmeier zu Vereinsmeier viel leichter verhandeln. Und mal ehrlich: Wer vermietet einem Haufen „brotloser Künstler“ schon freiwillig Ateliers?
Vor zwei Jahren also riefen Beate Diallo, Ingrid Juretzek, Christian Meissner, Annette Scholz, Thomas Weißbecker & Co „Kunstwerk e.V.“ ins Leben und Jahresordnungspunkt eins auf: Der Verein möge beschließen, die Findung geeigneter Arbeitsräume mit Priorität zu betreiben. Den die damaligen Ateliers auf dem früheren VDO-Gelände in Frankfurts industriellem Westen waren weder der Kunst noch der Gesundheit sonderlich zuträglich: Pilze am Boden, Schimmel in den Ecken, Regen von oben und von allen Seiten Eternit – igitt.
Der Verein, der rasch auf rund 40 Mitgliedlieder wuchs, beauftragte einen Makler – und stieß irgendwann selbst in einem Offenbacher Hinterhoff auf eine alte Stanzfabrik: drei Etagen, lichte Räume, 750 Quadratmeter Kreativfläche – im August 1998 war „Kunstwerk“ am Ziel. Fast.
Denn was noch fehlte, war ein neuer Name. Dummerweise gibt’s nämlich schon in Sachsenhausen eine Galerie Kunstwerk – und außerdem, so Vereinsmitglied Weißbecker: „Wenn Du im Internet nach ‚Kunstwerk’ suchst, kriegste 20 Seiten“. Was Besonderes musste also her. Da dem Gros der Künstler in der Bettinastraße 71 aber weder „Kunstzwerg“ noch „Ostblock“ noch „Deutsche Bank“ noch „EV e.V.“ noch „Gring A Bottle Or Two“ und schon gar nicht „Freudenhaus“ gefiel („Wer weiß, wer da gekommen wäre……“), einigte man sich schließlich auf Atelierhaus B71. Das ist zwar dröge, aber immerhin: im Internet noch ziemlich unbefleckt.
Vor kurzem nun präsentierten die B71er sich und ihre Kunst erstmals der Öffentlichkeit. Eine spannende Angelegenheit, denn in dem wunderbaren Bau tummeln sich nicht nur Malerinnen und Maler, Kommunikationsdesigner, Filmemacher, Grafiker und – „tja, schwer zu sagen“, Sagt Christian Meissner, „schrieb’ doch Möbeldesign oder Raumobjekte oder Kunsthandwerk……“
Erste Erfolge konnten auch schon gefeiert werden: Der Andrang bei der Eröffnungsnacht war überraschend groß, manch Kunstinteressierter kehrte hernach wieder, um das eine oder andere Objekt käuflich zu erwerben. „Es funktioniert“, stellt denn auch Malerin Scholz beglückt fest. Untereinander stimme die Chemie sowieso – Motto: „Haste mal’n Pinsel – hast mal’n Tipp?“
Dabei haben die vereinigten Künstler – die zwischen barocken Sperrmüllsofas, unverputzten Decken und rosa Plüschschweinen ihrer Arbeit nachgehen – noch gar nicht richtig losgelegt. Künftig werden in der Bettinastraße regelmäßig Mal- und Zeichenkurse angeboten; wechselnde Ausstellungen verstehen sich von selbst; gemeinsame Projekte mit HfG-Studierenden seien durchaus denkbar, dazu Theater- und Filmvorführungen und das eine oder andere Fest.
Dafür haben die Künstler eigens das Prunkstück ihres Domizils – den 160 Quadratmeter großen Dachsaal – freigelassen. Schon heute gibt es dort jeden Dienstag (20 Uhr) eine Art offenen Vereinsabend. Um da mit von der Partie zu sein, muss man im übrigen nichts von Kunst verstehen. Und eine Tagesordnung gibt’s es schon gar nicht.
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